
Am Tag, an dem wir unsere Waffen nieder legen und unsere Stimmen gehört werden ...

Die Annahme, dass Friedens Aktivitäten gänzlich friedlich verlaufen, wurde während des Peacecamps 2006 in Franzen, Niederösterreich, dementiert. Jüdische und palästinensische Jugendliche aus Israel, Ungarn und Österreich, lernten ihre eigenen kulturellen, religiösen, nationalen Unterschiede und Gemeinsamkeiten lernen. Freundschaften wurden geschlossen und gegenseitiges Verständnis wurde aufgebaut. Die OrganisatorInnen, Evelyn Bohmer und Hadassah haben es geschafft, eine große Friedensaktion stattfinden zu lassen, die niemals vergessen werden wird. Obwohl die Zeiten angespannter denn je sind, hat dieses Camp gezeigt, dass ein Zusammenleben möglich ist, wenn Menschen nicht ihre Waffen sprechen lassen, sondern versuchen sich gegenseitig zu verstehen.
Rafael Kropiunigg, der diesen Sommer ein Praktikum bei SWI und Women without Borders gemacht hat, war beim Camp dabei und hat den ganzen Prozess dokumentiert. Hier können Sie seine Eindrücke nachlesen:
Welchen Auftakt zu Frieden würden Sie wählen? Truppen, die im Libanon mit AK-47’s vor ihren Augen, einmarschieren, oder Gruppen vom “Peacecamp”, die am Wiener Flughafen ankommen und nichts anderes als Frieden im Kopf haben? Beide Gruppen beanspruchen das gleiche Ziel: Das Ziel Frieden herzustellen. Ist das nicht ironisch?
Bevor ich nach Franzen kam, dachte ich, dass es bei einer politischen Diskussion donnert und blitzt. Nach ein paar Tagen dämmerte es mir langsam, warum Politik während der Gruppenarbeit immer zweitrangig war, und auch warum politische Diskussionen niemals in blutigen Boxkämpfen enden. Erst nach einiger Zeit wurde mir klar, dass der Grund warum 4 Nationen in einem kleinen Dorf im Herzen von Österreichs ländlicher Gegend zusammenkommen, war nicht nur um heraus zu finden was mit Hezbollah, Israel, Syria, Iran gemacht werden kann, sondern eher um „zu lernen einfach mit einander zu leben“. Die IsraelierInnen, die PalestinenserInnen, die UngarInnen und die ÖsterreicherInnen haben keinen Groll in ihren Koffer gepackt.
Die TeilnehmerInnen aus Israel waren in der Minderheit. Es gibt progressive Teile in ihrer Gesellschaft. Oft sehen sie sich aber Rassismus, Vorurteilen und Gewalt gegenüber. “Diskussionen scheinen eher ein abstraktes Wort zu sein” das nirgendwo hin führt.
Trotz allem haben die TeilnehmerInnen gelernt, dass es noch Hoffnung gibt, dass es immer noch Menschen gibt, die an friedliche Verhandlungen glauben. Einige von ihnen gaben sogar zu, dass sie nicht wussten, dass Menschen „ von der anderen Seite“ ihre friedlichen Vorstellungen teilen.
Obwohl manchmal auch belanglose Themen, wie die Rolle von Haustieren in der Gesellschaft, zur Sprache kamen, kamen auch – als die Zeit reif war - ernsthafte Diskussionen zustande. Diese Diskussionen erhielten 110% ige Teilnahme – hier wurden auch Themen wie Frauenrechte, soziale Gesetzgebung, Globalisierung und noch ein paar andere, besprochen. Wir wussten, dass diese Diskussionen, keine sofortigen Folgen nach sich ziehen würden, aber wir realisierten uns auch, dass eine friedvolle Diskussion eine längerfristige Methode ist, komplizierte Themen zu lösen.”
Es geht darum, die Botschaft zu verbreiten, sagte einer unserer Diskussionsleiter. Das ist wahr. Viele Menschen haben zugegeben, dass sie viele Vorurteile über die “andere Seite” hatten, bevor sie im Peacecamp waren, aber als sie wieder gingen, fühlten sie keinen Hass oder Überlegenheit mehr. Wir müssen dieses Gefühl über die ganze Welt verteilen. Ich hoffe ihr alle seid hiervon inspiriert und ich hoffe ich inspiriere euch friedvollen Handlungen eine Chance zu geben. Während ihr diesen Text lest, hoffe ich, dass ihr euch realisiert, dass Voreingenommenheit niemals eine Lösung zu Stande bringen kann. „ Wenn beide Seiten sich als Opfer fühlen, oder die eine zum Opfer gemacht wird, wird es niemals eine Lösung geben“.
Es ist paradox, dass ich in einem Camp voll von Jugendlichen gelernt habe, nicht so schwarz- weiß zu denken. Wir müssen lernen die Grauschattierungen zu sehen, damit wir etwas erreichen können. Frieden ist niemals weiß. Obwohl Peacecamp sehr kitschig und ideologisch klingt, habe ich das Gefühl, dass die TeilnehmerInnen, realistisch geblieben sind.
Ich glaube, dass wir auf mehr oder weniger neutralem Boden bleiben müssen, damit wir einen gemeinsamen Weg finden können friedlich miteinander zu leben. Das Motto des Camps war „ Weder Aggressor noch Opfer zu sein“, aber ich kann mir vorstellen, dass es fast unmöglich ist, neutral zu bleiben, wenn man persönlich betroffen ist. Nichtsdestotrotz kann man immer probieren beide Seiten zu sehen. So ist es möglich einen umfassenderen Einblick zu bekommen, und die verschiedenen Perspektiven besser zu verstehen.
Ich habe gelernt, dass “Frieden mit der Jugend beginnt”. Wir müssen den Generationenvertrag, im Rahmen dessen Wertvorstellungen von unseren Eltern an uns weiter gegeben werden, aufbrechen. Stattdessen sollten wir die Möglichkeit bekommen uns unsere eigenen Vorstellungen im Austausch mit Gleichaltrigen zu formen. Camps, wie dieses, geben uns die Möglichkeit dazu. Das nenne ich den Weg zu Frieden, und ich habe das Gefühl, dass wir dieser Weg schon begangen wird.
“SPREAD THE WORD!”
Offizielle Peacecamp website: peacecamp2006.blogger.de