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Österreichische Stiftung für Weltbevölkerung und internationale Zusammenarbeit



17. August 2005

Gesundheitsversorgung in Indien

Als Land mit einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen hat Indien mit schwerwiegenden strukturellen Problemen zu kämpfen. Trotz der Investitionen von Regierung und NROs ist es bisher nicht möglich, ausreichende Gesundheitseinrichtungen für alle

Nach einem Interview mit Archana Kapoor, Verlegerin von Hard News und Leiterin einer NGO für Frauenrechte in New Delhi, Indien.

Mangel an Wasser steht in direktem Zusammenhang mit der Gesundheit der Menschen und mit Hygiene. In Teilen Indiens verfügen drei bis vier Dörfer über eine einzige Handpumpe, die pro Dorf mindestens 500 Menschen versorgt. Auch die Infrastruktur ist sehr schwach: Jeweils fünf Dörfer sollten gemeinsam zumindest ein medizinisches Zentrum haben, das sich um Impfungen, die Versorgung schwangerer Frauen und um Aufklärung über Ernährung kümmert. Doch das System funktioniert nicht gut. Es gibt viel Fälle von Impfstoffen, die verderben, weil während des Transports die Kühlkette unterbrochen wird. Menschen erkranken trotz Impfungen an Polio, Durchfall und Infektionen.

Frauen leiden am meisten

Von dieser Situation, in der mehrere Dörfer sich eine Handpumpe teilen, mehrere Dörfer ein gemeinsames medizinisches Zentrum haben und auch die Infrastruktur schwach ist, sind, so Archana Kapoor, die Frauen am meisten betroffen.„In meinen Augen wird die schlimmste Seite der Armut sichtbar in der Frau. Oder, wenn man es anders sagen möchte: Die Armut hat das Gesicht einer Frau. Frauen in armen Familien leiden am meisten, denn sie sind diejenigen, die die Familie trotz beschränkter Ressourcen erhalten müssen.“ Wenn es zum Beispiel kein Wasser gibt, sind es die Frauen, die große Entfernungen zurücklegen, um Wasser zu holen, schildert Kapoor.

Lösungsweg Bildung

Aus diesem Grund sieht sie Bildung als einen Weg zur Lösung vieler Probleme: „Für mich ist Bildung eine Art Lösung für alles. Jemand, der nicht schreiben und lesen kann, weiß auch nicht, welche Unterstützung er bekommen könnte. Die Menschen haben keinen Zugang zu Information, also können sie sie auch nicht für sich nützen.“

Die Verlegerin unterstützt darum seit mehreren Jahren Bildungsinitiativen und Programme, in denen Frauen durch Information und Bildung eine Möglichkeit gegeben wird, ihre Lebenssituation zu verbessern. So auch ein von der Weltbank finanziertes Projekt in einer Bergregion: Dort verbringen die Frauen vier bis fünf Stunden pro Tag damit, Wasser aus einem Fluss zu holen und es dann den Berg hinauf zu tragen. Das Konzept des Projektes bestand deshalb darin, die Frauen in nächster Nähe ihrer Häuser mit Wasser zu versorgen. Die gewonnene Zeit konnte dazu genützt werden, den Frauen Bildungsmöglichkeiten anzubieten. Auch hatten die Frauen mehr Zeit für sich selbst. „Ich denke, es hat funktioniert.“, sagt Archana Kapoor. „Ich bin bis jetzt nicht in dieses Dorf zurückgekehrt, aber ich konnte eine wahrnehmbare Veränderung sehen. Die Frauen haben begonnen, in die Alphabetisierungszentren zu gehen und zu lernen. Sie können ihre Kinder besser betreuen und haben gleichzeitig kleine Geschäfte, betreiben zum Beispiel eine Mehlmühle oder einen kleinen Laden.“

Bewusstsein schaffen für Gesundheit

Archana Kapoor betont die Bedeutung, die freie Zeit für sich selbst, vor allem in ärmeren Gebieten, hat. Die Frauen seien so beschäftigt, dass sie überhaupt keine Zeit hätten für sich und für ihre Gesundheit, sagt sie: „Frauen werden in unserer Gesellschaft am meisten vernachlässigt, weil sie so damit beschäftigt sind, ihre Familie zu versorgen, dass sie keine Zeit haben, sich um sich selbst zu kümmern.“ Am wichtigsten sei es deshalb, ein Gesundheitsbewusstsein bei den Frauen herauszubilden. „Die Frauen haben kein Bedürfnis nach Gesundheit. Sie überleben irgendwie und schlagen sich durch. Wir müssen ein Bedürfnis nach Gesundheit im Bewusstsein der Frauen schaffen. Ihnen sagen, dass, wenn sie nicht gesund sind, sie auch keine gesunden Kinder haben werden.“

Mehr Konsolidierung

Um eine Veränderung im indischen Gesundheitssystem zu erreichen und vor allem, um gute Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung und auch außerhalb der Städte zu gewährleisten, setzt Archana Kapoor auf Zusammenarbeit: „Es ist eine sehr schwierige Situation. Viel muss noch getan werden und wir brauchen die Aufmerksamkeit von vielen ausländischen Organisationen und Geldgebern. Ich denke, es tröpfelt ziemlich viel Geld herein, aber wir brauchen ein viel konsolidierteres Programm, eine konsolidierte Strategie, um medizinische Versorgung zu den Frauen in unseren ländlichen und abgelegenen Gebieten zu bringen.“ Denn einstweilen sind die Probleme gravierend: die Müttersterblichkeit in Indien liegt bei 440 pro 100.000 Lebendgeburten - im Vergleich dazu lag sie in Westeuropa 2004 bei etwa 10 von 100.000, im Nachbarland Indiens, Pakistan, bei 200. Auch HIV/Aids ist in den letzten Jahren zu einem schwer handhabbaren Problem geworden und Archana Kapoor berichtet von einer Erhöhung der Rate an Mutter-Kind-Transmission des Virus sowie von einer zunehmenden Feminisierung der Epedemie.

Lesen Sie mehr zu den Themen HIV/Aids, Krankenhäuser, Geburten und Kindersterblichkeit im ungekürzten Interview mit der Verlegerin und Frauenrechtsaktivistin Archana Kapoor.

Dateidownload:
Kapoor_deutsch.doc

 

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