
Die Stiftung für Weltbevölkerung und Internationale Zusammenarbeit lud am 22. Juli 2010 zu einer Pressekonferenz zum Thema „Africa & AIDS: Challenges and Opportunities“ ins Café Landtmann ein.
Die Österreichische Stiftung für Weltbevölkerung und Internationale Zusammenarbeit, SWI, lud am 22. Juli 2010 zu einer Pressekonferenz zum Thema „Africa &AIDS: Challenges and Opportunities“ ins Café Landtmann ein.
Die geladenen ExpertInnen sprachen über ihre Arbeit im Kampf gegen HIV/AIDS, alternative Präventionsmöglichkeiten und über Österreichs mangelnde Bereitschaft mehr finanzielle Mittel für die HIV/AIDS Bekämpfung in Afrika bereitzustellen.
Für den regionalen Berater der David und Lucile Packard Stiftung, Sahlu Haile, ist Familienplanung ein wichtiger Faktor in der HIV/AIDS Bekämpfung. Effektive Familienplanung, insbesondere erfolgreiche Verhütung, beeinflusse nicht nur die HIV Neuansteckungsrate positiv, sondern schütze auch vor ungewollten Schwangerschaften und reduziere so die Frauensterblichkeitsrate durch illegale Abtreibungen. Haile erwähnte auch die fehlenden Entwicklungshilfemittel für flächendeckende Familienplanung in Afrika, die konservative US Entwicklungspolitik unter Präsident Bush, und eine spürbare HIV/AIDS „fatigue“ durch die momentane Weltwirtschaftskrise. Abschließend erläuterte Haile, dass durch „100 Millionen US Dollar, 4 Millionen Frauen Zugang zu Familienplanung bekämen. Dadurch würden 2.1 Millionen ungewollte Schwangerschaften, sowie 825,000 Abtreibungen verhindert. 70,000 Mädchen und 4,000 Frauen könnten somit vor einem frühzeitigen Tod gerettet werden. Die Ironie ist, dass konservative Regierungen sich weigern Initiativen zu fördern, die Abtreibungen auf lange Sicht verhindern würden. Durch ihre ablehnende Haltung gegenüber Familienplanung, insbesondere Verhütung, fördern sie letztlich genau jene Initiativen nicht, die sich als effektiv gegen Abtreibung bewährt haben.“
Dr. David Wessner, Professor für Biologie am Davidson College in den USA, betonte in seinem Beitrag die Bedeutung von Kontext-geleiteter HIV/AIDS Bildung zur Vorbeugung. HIV/AIDS erfordere einen breiter gefächerten Zugang: Behandlung, Vorbeugung und Bildung. Dr. Wessner spezialisiert sich in seiner Arbeit vor allem auf innovative Aufklärungsmethoden. Als Teil seiner Präventionsarbeit bei Jugendlichen in den USA, haben er und seine Studenten Podcasts entwickelt, und versuchen junge Menschen über Blogs und Youtube zu erreichen. Die Informationen sollen den Jugendlichen zeitgeistgereicht zur Verfügung gestellt werden: „wie sie wollen und wann sie es wollen“. Ähnliche, zielgruppengerechte Initiativen müssen, seiner Meinung nach, auch in Afrika den jeweiligen Rahmen in Betracht ziehen. Er nannte als Beispiele für den afrikanischen Kontext Straßentheater und religiöse Versammlungen. Abschließend strich Dr. Wessner den spürbaren Optimismus unter den Teilnehmern der Konferenz, Forschern sowie Regierungsvertretern, hervor, aber warnte davor sich auf den Errungenschaften und positiven Entwicklungen auszuruhen. Der Kampf gegen HIV/AIDS sei noch lange nicht gewonnen.
Mag. Judith Schwentner, Frauen und Entwicklungssprecherin der Grünen, prangerte in ihrem Beitrag die fehlende Bereitschaft der österreichischen Regierung finanzielle Mittel zur HIV/AIDS Bekämpfung zur Verfügung zu stellen, an. Sie zitierte aus einem Brief des österreichischen Außenministers an den Geschäftsführer des Global Funds, in dem der Minister klarstellte, dass Österreich bis 2014 keine budgetären Mittel zur Finanzierung der AIDS Forschung, oder anderer HIV/AIDS Initiativen vorgesehen hätte. Die Abgeordnete strich ferner die Notwendigkeit besserer Aufklärungsarbeit an Österreichs Schulen hervor. Der österreichischen Bevölkerung, insbesondere der Jugend, fehle es zum Teil an Basiswissen über HIV/AIDS. „Ich habe vor einer Woche einen Studienbericht gelesen, dem zu Folge viele Jugendliche glauben, man könne das AIDS Virus unter der Dusche abwaschen! Ich war entsetzt!“
In ihrer Funktion als Grüne Sprecherin, versprach sie weiteren Druck auf die Regierung auszuüben, um die finanzielle Förderung von AIDS Initiativen zur Priorität zu erklären, und um die Aufklärungsarbeit an Österreichs Schulen flächendeckend zu verbessern.
Die Stiftung für Weltbevölkerung und Internationale Zusammenarbeit organisierte diese Presserunde im Rahmen des EU geförderten Projektes „Africa’s Demographic Challenges“, welches sich zum Ziel gesetzt hat, in Österreich, Deutschland und Ungarn Aufklärungsarbeit in diesen Bereich zu leisten.