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Österreichische Stiftung für Weltbevölkerung und internationale Zusammenarbeit



20. Juli 2010

Gel gegen Ansteckung funktioniert

Studienergebnisse versprechen "bahnbrechende" Erfolge für weiblichen Selbstschutz - Als Kondomersatz aber noch nicht empfehlenswert

Wien - Ein Vaginal-Gel könnte einer Studie zufolge Frauen künftig vor einer Ansteckung mit Aids bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr schützen. Das Gel, in dem der Anti-HIV-Wirkstoff Tenofovir des Konzerns Gilead Sciences enthalten ist, habe das Risiko einer Ansteckung um 39 Prozent verringert, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montag auf der internationalen Aidskonferenz in Wien. Dies sei das Ergebnis einer umfangreichen Studie aus Südafrika, über die nun auch das US-Wissenschaftsmagazin "Science" berichtet.

Frauen hätten damit die Möglichkeit, sich selbst zu schützen. Das Gel muss zwölf Stunden vor und zwölf Stunden nach Geschlechtsverkehr angewendet werden. Außerdem hat die Studie gezeigt, dass sich durch die Anwendung die Genital-Herpes-Infektionen um 51 Prozent senken ließen.

Die Ergebnisse, die erst am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert werden sollten, aber offenbar durch einen Embargo-Bruch schon am Montag in internationale Medien gerieten, seien bahnbrechend.

Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNAIDS begrüßten die Ergebnisse. "Zum ersten Mal sehen wir Resultate für eine HIV-Prävention, die von der Frau durchgeführt werden kann. Wenn sich die Studienergebnisse durch weitere Untersuchungen erhärten, wäre das eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Entwicklung der Aids-Epidemie zu stoppen", erklärte UNAIDS-Generaldirektor Michel Sidibe in einer Aussendung.

Hintergrund

Seit Beginn der Aids-Pandemie wird nach Möglichkeiten einer chemischen Prophylaxe mit Mikrobioziden gesucht. Bei der Verwendung von Kondomen muss der Mann mitmachen. Gewünscht wäre aber ein Mittel, über das die Frau die Kontrolle hat. Alle diesbezüglichen Forschungen schlugen aber fehl.

Nun wurde aus dem von der oralen HIV/Aids-Therapie bekannten Wirkstoff Tenofovir, der das HI-Virusenzym Polymerase blockiert, ein Vaginal-Gel entwickelt. Das südafrikanische Aids-Studienprogramm CAPRISA testete es an 889 Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, die HIV-negativ waren, in KwaZulu-Natal. Sie sollten es zwölf Stunden vor Sex und zwölf Stunden nach dem Geschlechtsverkehr verwenden. 444 Frauen erhielten ein Placebo-Gel ohne Wirkstoff, 445 das echte Gel. Die Beobachtungszeit betrug 30 Monate.

Positive Ergebnisse

Unter den Frauen, welche das echte Gel anwendeten, kam es zu 38 HIV-Infektionen. In der Placebo-Gruppe waren es 60 (minus 39 Prozent). Bei Verwendung des Gels mit Tenofovir traten 51 Prozent weniger Genital-Herpes-Infektionen auf. Insgesamt wendeten die Probandinnen die Gels etwa bei 72 Prozent ihrer heterosexuellen Kontakte an. Bei jenen, die das zumindest zu 80 Prozent taten, lag die HIV-Schutzrate bei 54 Prozent.

Nebenwirkungen

Manchmal trat leichter Durchfall auf, es kam auch zu etwas mehr Darminfektionen. Bei jenen Frauen, die sich während der Studie infizierten, wurden keine Resistenzen gegen Tenofovir beobachtet.

"Auf solche Ergebnisse haben wir 20 Jahre gewartet", sagte der südafrikanische Epidemiologe und Studienautor Quarraisha Abdool Karim. Bei breiter Anwendung - so wurde bereits abgeschätzt - könnten in Südafrika innerhalb von 20 Jahren 1,3 Millionen HIV-Infektionen verhindert werden.

Noch keine alleinige Alternative

Die Resultate müssen erst durch weitere und wesentlich größere Studien erhärtet werden (Phase-III). Es handelte sich jetzt um eine wissenschaftliche Untersuchung der Phase IIb mit noch immer einer relativ geringen Anzahl von Probandinnen. Eine HIV-Schutzrate von knapp 40 Prozent ist bei weitem nicht perfekt, könnte aber in Regionen, wo Aids sehr verbreitet ist, doch relativ große Effekte erzielen. "Gel statt Kondom" - das ist derzeit aber noch immer keine echte Alternative. (Reuters/APA/red)

Quelle: www.diestandard.at

 

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