Das westafrikanische Land Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze.
Verfassung und Gesetz von Burkina Faso verbieten jegliche Form der Diskriminierung, namentlich aufgrund des Geschlechts. Dennoch werden Frauen in vielfacher Hinsicht marginalisiert und diskriminiert. Mangelnder Zugang, nicht nur zur Gesundheitsversorgung sondern auch zu Bildung, zu Erwerbsarbeit und zu gesellschaftlicher und politischer Macht tragen zur hohen Müttersterblichkeit bei. Am höchsten ist diese bei Frauen, die in ärmsten Verhältnissen leben, den geringsten Bildungsstand haben und in ländlichen Regionen leben.
Zwar hat die Regierung von Burkina Faso mit Hilfe internationaler Geldgeber große Anstrengungen unternommen, um die Müttersterblichkeit zu senken. So werden seit 2006 - mindestens auf dem Papier - 80% der Kosten für Geburt, Notfallversorgung für Schwangere sowie Versorgung von Neugeborenen durch den Staat übernommen. Verbreitete Korruption steht der Umsetzung dieser Strategie jedoch im Wege, und die Qualität der medizinischen Leistungen lässt in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig.
Müttersterblichkeit und Menschenrechte
Jede Minute stirbt irgendwo auf der Welt eine Frau während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder im Kindbett. Das sind mehr als 500.000 Frauen jährlich. In 80% der Fälle sterben sie an behandelbaren bzw. vermeidbaren Komplikationen wie starken Blutungen, Infektionen, unsicheren Abtreibungen, schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck oder einem verzögerten Geburtsverlauf.
In westlichen Ländern liegt die Gefahr für Frauen, an diesen Komplikationen zu sterben, bei 1 zu 17.000, in afrikanischen Ländern südlich der Sahara dagegen bei 1 zu 8, für Frauen in Südasien bei 1 zu 60. Meist sind es Frauen, die in Armut leben, die zu Minderheiten oder zur indigenen Bevölkerung gehören und die marginalisiert sind, für die ein Schwangerschaft zum tödlichen Risiko wird.
Müttersterblichkeit ist aber nicht nur die Folge, sondern auch der Grund für Armut
Jährlich verlieren zwei Millionen Kinder ihre Mütter und sind dadurch einem größeren Armutsrisiko ausgesetzt. So müssen ältere Kinder, meist Mädchen, den Haushalt führen und können nicht mehr zur Schule gehen. Kinder unter fünf Jahren, die ohne Mutter aufwachsen, haben ein zehn Mal höheres Risiko zu sterben als gleichaltrige Kinder, deren Mütter noch leben.
Dies ist nicht nur ein weltweiter Missstand, sondern auch ein Menschenrechtsskandal.
Gleichgültigkeit und Diskriminierungspolitiken der Regierungen führen zur Missachtung der Menschenrechte von Frauen, namentlich ihres Rechts auf Leben und ihres Rechts auf qualifizierte Gesundheitsversorgung. Auch enthalten ihnen die gesellschaftlichen Umstände oft das Recht vor, eigenständig über ihre Sexualität, die Anzahl ihrer Kinder und den Zeitpunkt ihrer Geburt zu entscheiden. In der UN-Millenniumserklärung von 2000 haben sich alle Staaten verpflichtet, die Müttersterblichkeit bis zum Jahr 2015 um zwei Drittel im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Dennoch ist bis heute zu wenig geschehen. Die Sterblichkeitsrate werdender Mütter sank laut Weltbevölkerungsbericht 2008 in der Zeit von 1990-2005 nur um weniger als 1%. Vor allem in afrikanischen Ländern der Sub-Sahara und in Südasien hat es keine Fortschritte gegeben.
Quelle:
www.amnesty.at/aktiv_werden/ein_zu_frueher_tod_muettersterblichkeit_fordert_jede_minute_ein_frauenleben/