
UNHCR berichtet von Übergriffe auf die Zivilbevölkerung und gezielten Angriffen der Hutu-Miliz FDLR auf Flüchtlinge
Die Zahl der Flüchtlinge im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist nach anhaltenden Kämpfen heuer dramatisch gestiegen. Seit Jahresbeginn flohen allein in der Region Süd-Kivu mehr als 500.000 Menschen aus ihren Dörfern, teilte das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) am Freitag in Genf mit. Insgesamt sind in der Konfliktregion 1,8 Millionen Menschen geflohen.
Vor allem die Hutu-Miliz FDLR verübe zahlreiche Gräueltaten an der Zivilbevölkerung und greife auch Flüchtlinge an, sagte UNHCR-Sprecher Ron Redmond. "Es gibt zahlreiche Berichte über Morde, Vergewaltigungen und Folter durch die FDLR-Rebellen."
Neue Offensive
Die kongolesische Regierungsarmee hatte vor knapp zwei Wochen eine neue Offensive gegen die FDLR begonnen. Im Frühjahr konnten die Rebellen gemeinsam mit der ruandesischen Armee zurückgedrängt werden. Nach dem Abzug der Ruandesen eroberte die Miliz jedoch ihre alten Stellungen zurück und terrorisierte die Bevölkerung mit Vergeltungsschlägen für angebliche Kollaboration mit den Regierungstruppen.
Teile der FDLR nahmen 1994 am Völkermord im benachbarten Ruanda teil, wo rund 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu ermordet wurden. Laut einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes über die Situation in der Konfliktregion sind 76 Prozent der Bevölkerung in irgendeiner Weise von der Gewalt betroffen worden, 58 Prozent sind mindestens einmal geflohen, 47 Prozent haben einen nahen Verwandten verloren und 28 Prozent kennen mindestens ein Opfer sexueller Gewalt.
Quelle: www.derstandard.at