
Zur Situation der Lesben im Iran
"Ich habe mir immer gewünscht, es gäbe einen Ort, an dem ich andere Menschen treffe, die wie ich sind. Weil ein solcher Ort nicht existiert habe ich beschlossen, das selbst in die Hand zu nehmen." Aus diesem Wunsch heraus schuf eine junge Frau aus dem Iran einen Internet-Blog und gab so vielen Lesben in ihrem Land eine Plattform. Das Internet ist der einzige Ort, an dem Lesben offen über sich und ihre Situation sprechen können. In der realen Welt ist dies nur unter Lebensgefahr möglich. In der islamischen Republik Iran wird gleichgeschlechtliche Liebe noch immer mit dem Tod bestraft. Über die Verfolgung von Homosexuellen und Lesben im Besonderen berichtete jüngst Shadi Amin in Wien. Die iranische Journalistin und Frauenrechtsaktivistin lebt seit 23 Jahren in Deutschland im Exil. Mit 18 musste sie aus politischen Gründen aus dem Iran fliehen. Sie ließ dort nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre Geliebte zurück. Wären die beiden damals als Paar entdeckt worden, hätten sie beim ersten und zweiten Mal weniger als 100 Peitschenhiebe ertragen müssen, beim dritten Mal 100 und beim vierten Mal wären sie hingerichtet worden. Dies besagt ein absurdes Gesetz, das zur Anwendung kommt „wenn zwei Frauen grundlos nackt unter einer Decke liegen“, egal ob sie sich berühren oder nicht. Um eine Frau als Lesbe zu verurteilen, was ihren Tod zur Folge hat, genügt auch die Aussage von vier Männern, weitere Beweise sind nicht nötig. Diese Regelung, so Shadi Amin, wird nicht selten benutzt, um eine unliebsame Ehefrau loszuwerden.
Unsichtbare Lesben
Der gesellschaftliche Umgang mit Homosexualität ist von Unverständnis und Intoleranz geprägt. Gleichgeschlechtliche Liebe gilt als psychische Krankheit. Diese Haltung findet sich auch in so genannten wissenschaftlichen Magazinen wieder. Doch dort konzentriert man sich ausschließlich auf Männer. Die Existenz von Lesben wird vollständig verneint. Auch der Präsident des Iran, Mahmoud Ahmadinejad, behauptete 2007 bei einem Vortrag an der Columbia-Universität in den USA, in seinem Land gäbe es keine Homosexuellen. Shadi Amin meinte dazu, damals wollte sie schon ein Plakat mit einem Foto veröffentlichen, um ihm das Gegenteil zu zeigen. Sie erklärte aber auch, dass im Iran Homosexuelle in der Regel als Transsexuelle bezeichnet werden. Wenn eine Frau also eine Frau liebt, ist sie keine Lesbe, sondern eine Frau im Körper eines Mannes. Und das ist behandelbar. Daher unterstützt der iranische Staat sogar Geschlechtsumwandlungen finanziell. Viele Lesben ließen sich operieren und blieben dann ein Leben lang unglücklich, berichtet Shadi Amin. Doch Transsexualität ist gesellschaftlich besser akzeptiert. Es kommen sogar viele Menschen aus den arabischen Staaten in den Iran, um eine solche Operation vornehmen zu lassen. Was auf den ersten Blick nach einer relativ liberalen Haltung aussieht, entpuppt sich aber als Strategie zur Bekämpfung von gleichgeschlechtlicher Liebe.