
Dr. Rajaa al-Khuzai zur Situation der Gesundheitsversorgung im Irak
Die medizinische Versorgung wird von Tag zu Tag schlechter, vergleichbar mit der Sicherheitssituation. Es gibt nicht genügend Medikamente, unzureichendes Equipment und vor allen Dingen kein qualifiziertes Personal mehr. Seit der Invasion in den Irak ist kein einziges Krankenhaus mehr gebaut worden, die Spitäler sind alle sehr alt, seit 1984 hat sich quasi nichts mehr verändert. Das einzige, was gemacht wurde, war, dass die Krankenhäuser neu gestrichen wurden, Millionen Dollar wurden dafür ausgegeben. Und als es regnete, fiel die ganze Farbe ab.
Seit 1991 ist die Rate an Krebserkrankungen um das Vier- bis Fünffache angestiegen, aber Medikamente zur Behandlung sind nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Manchmal können PatientInnen die Medikamente selbst auftreiben, in privaten Apotheken zum Beispiel, aber das ist sehr teuer. In Wirklichkeit ist es so, dass die Reichen ins Ausland fahren, um sich behandeln zu lassen und die Armen sterben müssen.
Im Irak gibt es keine Vorsorgeuntersuchungen für Frauen, Brust- oder Gebärmutterkrebs können somit nicht früh erkannt und behandelt werden. Auch Verhütungsmittel sind knapp.
Am schlimmsten aber ist, dass es kaum mehr ÄrztInnen im Irak gibt. Im letzten UN Report stand, dass seit 2003 bereits mehr als 18.000 MedizinerInnen das Land verlassen haben; und die Zahl steigt jeden Tag an. Die andere Tragödie ist, dass ÄrztInnen – ebenso wie PolitikerInnen und UniversitätsprofessorInnen – einem enormen Sicherheitsrisiko ausgesetzt sind: sie werden getötet, ihre Familienmitglieder gekidnappt, bedroht, etc.
Durch die langen Stromausfälle, die Straßensperren, Mangel an Benzin oder die Ausgehsperren leidet das Gesundheitswesen noch dazu. PatientInnen können oft nicht rechtzeitig versorgt werden.
Es ist wirklich traurig, dass die Regierung nichts unternimmt, um den Gesundheitssektor zu verbessern; alle sind zu sehr mit den Sicherheitsproblemen beschäftigt.
Dr. Rajaa al-Khuazai ist Gynäkologin. Sie hat in London studiert und ist 1977 wieder nach Bagdad zurückgekehrt. Die Politikerin ist Mitglied im Iraqi Health Committee und der Iraqi Family Planning and Reproductive Health Society.